(mf) Obwohl es sich bei Tasogare Seibei, so der japanische Originaltitel, um einen Jidai-geki, also einen Film, der das Edo-Zeitalter zum Thema hat, handelt, lässt er sich so gar nicht mit anderen Samurai-Filmen vergleichen. Was diesen “anderen” Samurai-Film so besonders macht, erfahrt Ihr in diesem Review.
Handlung
Twilight Samurai (dt. Samurai der Dämmerung) spielt gegen Ende der Tokugawa-Herrschaft. Die Japaner nennen diesen Zeitabschnitt Bakumatsu (1853-1867), was nichts anderes bedeutet als “Ende des Shōgunats”. Der letzte Shōgun (oberster Heerführer des Kriegeradels) Tokugawa Yoshinobu wird 1867 gewaltsam gestürzt und die Herrschaft über Japan wird dem Tennō (dt. etwa Kaiser), dem 15-jährigen Mutsuhito, übertragen. Mit Beginn der darauf folgenden “Meiji-Restaurationen” findet auch die Ära der Samurai ihr jähes Ende. Twilight Samurai setzt also zeitlich ebenfalls in der geschichtsträchtigen Zeit des Umbruchs an, genau wie The Last Samurai, James Clavell’s Shōgun oder Die Stunde des Samurai von Takashi Matsuoka.
Die Geschichte des Seibei Iguchi, gespielt von Hiroyuki Sanada, wird rückblickend aus der Sicht seiner jüngsten Tochter Ito erzählt. Iguchi ist ein Samurai niederen Ranges, der für einen mehr als bescheidenen Lohn in der Verwaltung der Vorratskammer des Schlosses arbeitet. Als seine Frau an einer Krankheit stirbt, ist er sogar gezwungen die “Seele eines Samurai”, sein Katana, zu verkaufen, um das Begräbniszeremoniell entrichten zu können. Hoch verschuldet muss er nun alleine seine zwei Töchter und seine geistig verwirrte Mutter durchbringen. Wenn er am Abend mit seiner Arbeit im Schloss fertig ist, begibt er sich stets direkt nach Hause, weil er zusätzlich seine eigenen Felder bestellen und Grillenkäfige bauen muss, um über die Runden zu kommen. Weil er sich immer in der Abenddämmerung auf den Weg nach Hause begibt, anstatt sich wie seine Kollegen im Wirtshaus zu amüsieren, nennen diese ihn spöttisch den “Mann der Dämmerung”.
Review
Regisseur Yoji Yamada wollte ein realistischeres Bild der Samurai zeichnen, erklärte er bei einer Pressekonferenz zum Kinostart von Twilight Samurai. Und das ist ihm, wie ich finde, vortrefflich gelungen. Sein Antiheld Seibei ist ein aufrichtiger edelmütiger Samurai, der darüber hinaus ein bescheidener aber exzellenter Schwertkämpfer ist, aber dennoch, am Ende des Tages eben doch nur ein von den harten Seiten des Lebens gebeutelter Typ wie Du und ich.
Mit Hiroyuki Sanada, der nicht erst seit Streifen, wie The Last Samurai, Rush Hour 3 oder den Ringu Teilen, ein hervorragender Schauspieler ist, hat Yamada eine grandiose Wahl getroffen. So wie ich mir keinen besseren als Bruce Willis in der Rolle eines abgehalfterten Cops, wie in 16 Blocks, vorstellen könnte, könnte ich mir keinen anderen als Sanada in der Rolle des “Alltags-Samurai” Seibei Iguchi vorstellen. Spätestens seit Ujio in The Last Samurai habe ich diesen in meine ewige Hall of Fame aufgenommen.
Abgesehen von einem guten Cast – denn auch die übrigen Darsteller machten einen hervorragenden Job – überzeugte mich der Film durch seine “murakamieske” Erzählweise, welche mit subtilem Humor die eigentlich tragische Geschichte eines in den Wirren seiner Zeit gefangenen Mannes transportiert. Diese, gepaart mit beeindruckender Bildsprache kreiert eine Art Gegenwartsdrama und Ode an dieses typisch japanische Filmgenre zugleich.
MEINE WERTUNG:
TWILIGHT SAMURAI (Samurai der Dämmerung) (2004)
■■■■■■■■■■ 10/10 – Feudal, poetisch, brilliant! Ein Muss für jeden Liebhaber des japanischen Films.



